Eine mündlich überlieferte Sage aus dem 16. Jahrhundert erzählt erstmals von einer Hexe im Buttikoner Rufiwald. In diesem Wald soll, als dieser noch für Menschen undurchdringlich bewachsen war, eine der gefürchtetsten Hexen der Region gehaust haben, die Rufiwaldhexe. Diese soll mit dem Teufel im Bunde gestanden haben und war in ihrer Boshaftigkeit in keiner Form zu übertreffen. Die Erzählungen berichten, dass sie stets mit freundlichen und hellen Farben gekleidet gewesen sei. Der Rock war rot, die Bluse mit vielen Farben bunt kariert, das Kopftuch und die Schürze abwechslungsweise in den Farben grün und blau. Wieso sie die Farben des Kopftuches und der Schürze wechselte, ist bis heute unbekannt. Das Gesicht war runzelig und mit drei Warzen bedeckt. Aus dem Mund ragten zwei grässlich, lange Zähne. Wer sich in der Nähe des Waldes aufhielt begab sich in Lebensgefahr, denn sie lockte ihre Opfer mit ihrem Lächeln, die im Glauben waren sie hätten es mit einer lieblichen alten Frau zu tun, in den Wald. Wenn sie sich zu erkennen gab, verwandelte sich das Lächeln in einen bösen Blick, so dass einem vor Angst und Schrecken der Atem stockte, danach wurden sie von ihrer Zauberkraft getötet. Auch im Wald, als Ort ihrer Heimat trieb sie ihr Unwesen. Als Hirsch oder Fuchs verwandelt, lockte sie die Jäger an, um auch diese umzubringen. Die Einwohner von Buttikon wurden zu dem mit dem ständigem Hochwasser des Rufibaches gepeinigt, dem immer ein schreckliches Gewitter vorauseilte, das die Hexe hervorzurufen wusste. Wiesen und Felder, auch große Teile vom Dorf, wurden immer wieder nachts mit Wasser, Steinen, Holz und Schutt überflutet. Ein orkanartiger Sturm mit großen Hagelkörner, der sämtliche Dächer und Obstbäume verwüstete, verdeutlichte die Boshaftigkeit der Hexe. In diesen Nächten überflog die Hexe mit ihrem altem, knorrigen Besen das Dorf und jagte den Buttikoner zusätzlich mit grässlichem Gelächter Angst und Schrecken ein. Viele unzählige Versuche, dem schändlichen Treiben der Hexe entgegenzuwirken, scheiterten. Dutzende male zogen tapfere Männer in den finsteren Wald um ihr beizukommen, doch zurück kam nie einer. Ob diese furchtbare Landplage je einmal zu Fall gebracht wurde, weiß bis heute niemand. Seit vielen Jahrzehnten ist es auch ruhig um die Rufiwaldhexe geworden. Es wurden schon lange keine Opfer und Schäden mehr beklagt. Die meisten Einwohner haben die Hexe heute vergessen und nur wenige wissen noch von den Erzählungen ihrer Vorfahren, welche die Boshaftigkeit der Rufiwaldhexe dokumentiert. Doch bei starken und heftigen Gewittern will hingegen manch einer nachts eine Gestalt mit schrecklichem Gelächter fliegend über Buttikon gesehen haben, wer weiß........

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